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Was Schwimmer über die Auswahl und den Zweck von Paddels wissen müssen

© Felix Gmünder

Auswahl an Paddels

Für was werden Paddels verwendet?

Paddels werden verwendet für:
  • Trainingshilfe zur Verbesserung der Technik
  • Verbesserung der intensiven und Schnelligkeitsausdauer
  • Unterstützung des Sprinttrainings

Trainingshilfe zur Verbesserung der Technik

Die Idee von Paddels ist, mit einer Vergrösserung der Handfläche während der Zugphase das Gefühl für das Wasser zu verbessern. Das Paddel lässt dich den richtigen Anstellwinkel bei den einzelnen Phasen des Armzugs besser spüren (Stichworte: S-förmiger Armzug, Paddelbewegung). Paddels leisten - richtig angewendet - einen Beitrag zum neuromuskulären Lernen. Die so erlernten Bewegungen werden mit der Zeit auch ohne Paddels automatisch ausgeführt.

Die meisten Paddels haben um einen Finger und um das Handgelenk ein Gummiband. Viele Trainer empfehlen, das Gummiband um das Handgelenk zu entfernen, weil man dann das bessere Gefühl für das saubere Eintauchen der Hand entwickelt. Mit nur einem Gummiband um einen Finger beginnt das Paddle zu Flattern, oder es fällt sogar weg, wenn die Hand im falschen Winkel eintaucht.

Paddels, die mehr als etwas grösser sind als deine Handfläche, können deinen Schultern schaden (s. Schulterschmerzen im Schwimmen).

Der Vortrieb beim Schwimmen entsteht durch eine Kombination der Widerstands- und Auftriebskraft an der Hand und am Arm (die Rolle des Beinschlags sowie der Längsrotation bzw. Querrotation des Körpers auf den Vortrieb lassen wir hier beiseite). Der Anstellwinkel der Hand bei der Paddelbewegung kann durch geeignete Paddelübungen mit Paddels gelernt und verbessert werden. Für diese Technikübungen sind grössere Paddels als die Hand weniger geeeignet.

Mit Paddels sollten keine Grundlagenausdauerbelastungen geschwommen werden; sie sind besser geeignet, um entweder die Armzugtechnik, die Schnelligkeitsausdauer und die Schnelligkeit zu verbessern. Achtung: Der Gebrauch sollte 25% des Trainings nicht überschreiten. Wenn du sie zu oft und ohne überwachung durch einen Trainer gebrauchst, werden sie zu einer Krücke, um Fehler zu überdecken anstatt zu einem Hilfe, um Fehler zu korrigieren.

Bei der Verwendung von Paddels für das Sprint-Assisted Training (s. unten), wurden mögliche negative Effekte auf die Feinkoordination und die intrazyklischen Abläufe diskutiert.

Verbesserung der intensiven und Schnelligkeitsausdauer

Paddels vergrössern die Fläche der Hand und dadurch brauchst du mehr Kraft für den Armzug. Dies gilt aber nur, wenn die Armzugtechnik nicht durch eine Vergrösserung des "Schlupfs" schlechter wird. Genau hier liegt das Problem: Nur wenn die Biomechanik des Armzuges qualitativ gleich bleibt, wird ein Trainingseffekt erzielt. In der Realität erfüllen nur Spitzenschwimmer diese Voraussetzung, und auch nur mit Paddels, die nicht wesentlich grösser sind als die Hand sowie über kurze Zeit. Bei Ermüdung werden die koordinativen Fähigkeiten und die Armzugtechnik schlechter. Mangelhafte Schwimmtechnik mit Paddels kann zu Ellbogenverletzungen (seltener) und Schulterverletzungen (häufiger) führen.

Für Crawlschwimmer besonders geeignet sind am Handgelenk breite und gegen die Finger zugespitzte Paddels (Beschreibung s. unten), weil sie wahrscheinlich den Stress auf die Schulter reduzieren (Richard Quick, persönliche Mitteilung).

Unterstützung des Sprinttrainings

Nach Swimming Even Faster, by Ernest W. Maglischo kann Schwimmen gegen erhöhten Widerstand ("Sprint-Resisted Training", Fallschirm, Gummiseil) oder mit Hilfsmitteln wie Flossen oder Paddels ("Sprint-Assisted Training") zur Verbesserung der Sprintgeschwindigkeit genutzt werden (Wettkampfgeschwindigkeit). Das Sprint-Assisted Training hat den Vorteil, dass die Zugfrequenz und die Schwimmtechnik nicht beeinträchtigt werden. Mit Paddels kann gleich schnell oder sogar schneller als Wettkampfgeschwindigkeit geschwommen werden. Maglischo weist aber darauf hin, dass dabei "die Zugfrequenz unbedingt gleich hoch wie im Wettkampf sein muss."

Für Maglischo sind Flossen wegen der fehlenden Verletzungsgefahr besser als Paddels. Richard Quick, persönliche Mitteilung) propagiert den Gebrauch von Paddels nicht, toleriert sie aber, wenn eine seiner Schwimmerinnen sie unbedingt gebrauchen will. Richard Quick setzt Flossen ein für das Sprint-Assisted Training und Parachutes für das Sprint-Resisted Training. Damit die Fallschirme nicht zu tief sinken, wird mit einer kurzen Schnur ein Pullbuoy befestigt.

Tipps für den Gebrauch von Paddels

Zusammenfassend empfehlen wir:
  • Verwende kleine Paddels, nur wenig grösser als die Handfläche.
  • Entferne das Gummiband ums Handgelenk. Ein Gummiband um einen Finger ist am Besten.
  • Baue die Verwendung von Paddels langsam auf, über Wochen.
  • Leg das Schwergewicht auf einwandfreie Schwimmtechnik.
  • Gebrauche Paddels nach dem Aufwärmen. Bei Ermüdung keine Paddels gebrauchen.
  • Verwende Paddels nur kurze Zeit während maximal 25% des Trainings.
Catalyst Paddle Strokemaker Paddles

Je grösser desto besser?

Hersteller von grossen Paddels haben mit dem Schwimmen nicht so vertraute Personen als Zielgruppe, also Triathleten, Fitnessschwimmer u.s.w. In diesen Kreisen ist der Glaube verbreitet, dass die Schwimmgeschwindigkeit vor allem durch die Kraft limitiert wird. Je grösser die Paddels, desto grösser wird tatsächlich der Kraftaufwand. Eine saubere Schwimmtechnik auszuführen wird aber schwierig, sogar das Vorbringen der Arme wird problematisch. Die Verletzungsgefahr für die Schulter nimmt entegen den Herstellerangaben unabhängig von der Form der Paddels stark zu.

Die Gründe für die erhöhte Verletzungsgefahr der Schulter sind:
  • Während der Rückführung drehen viele Schwimmer mit grossen Paddels den Oberarm nach innen (Handfläche nach aussen, Daumen schaut nach hinten).
  • Das Wasser wird zu früh gefasst, d.h. bevor die Hand genügend abgesunken und eine hohe Ellbogenposition erreicht wurde.
  • Mehr über den Problemkreis Schwimmerschulter / Paddels.
Finger Paddles

Fingerpaddels: Klein aber fein

Aus der Sicht der Zugfrequenz und Schwimmtechnik sind Fingerpaddels ideal und man spürt den Anstellwinkel der Hand sowie den Wasserdruck auf die freie Handfläche sehr gut.

Einen Nachteil haben sie: Weil Fingerpaddels nur die Finger bedecken haben sie eine starke Hebelwirkung auf die Finger und die auf der Ellbogeninnenseite ansetzenden Sehnen. Bei empfindlichen Personen, und wenn der Aufbau nicht sorgfältig erfolgt, können sich die Ansatzstellen der Sehnen entzünden (Tennisellbogen des "guten" Spielers). Dehnen der Fingermuskulatur kann helfen. Auch bei diesen Paddels ist das Gummiband um den Handteller zu entfernen.

Fulcrum Paddles

Fulcrampaddels schonen die Sehnen

Fulcrampaddels sollen die Verletzungsgefahr für Schulter und Ellbogen vermindern (Fulcram = Kippe). Wenn du zu grosse wählst, tust du deinen Schultern trotz den Behauptungen des Herstellers keinen Gefallen. Wenn die Grösse richtig ist, haben sie gegenüber den anderen Paddels keinen Vorteil ausser, dass der Kraftvektor nahe beim Scharnier des Handgelenkes ansetzt. Damit werden die Handgelenks- und Fingersehnen entlastet.

Speedo Paddles

Die Klassischen

Die Speedo Paddels (und ähnlich Aussehende) waren die Ersten und gehören immer noch zu den Besten. Um die Wirkung noch zu verbessern, entferne das Gummiband am Handgelenk (S. Speedos Swimfoils).

Swimfoil

Swimfoil für den Technik-Tüftler

Speedos Swimfoil Paddels wurden für das bessere Spüren der natürlichen an der Handfläche entstehenden Auftriebskräfte entwickelt, mit dem Ziel, die Schwimmtechnik zu verbessern. Das erste, das du üblicherweise bemerkst ist, dass sie anfänglich etwa alle 10 m beim Eintauchen oder aus dem Wasserziehen verloren gehen. Das einzige Gummiband um den Mittelfinger verleiht nicht gerade grosse Sicherheit. Und das ist gut so: Swimfoils lehren dich sehr rasch die Hand beim Eintauchen und aus dem Wasser ziehen richtig zu halten (d.h. Widerstandsarm).

Finis Paddle

Finis für den Crawler

Finis Paddels sind die einzigen Paddels, die nur für das Kraulschwimmen entwickelt wurden. Die patentierte "Kiel"-Technik zwingt den Schwimmer, die Schwimmerin, den Arm nach vorne zu strecken (mit Vorsicht wenn Paddels zu gross sind) und mit Beginn des Armzugs die Körperrotation einzuleiten.

Finis Paddels sind vorne spitz auslaufend; schmal an den Fingerspitzen und breit über Handfläche und Handgelenk und erzeugen den bereits erwähnten "Fulcram-Effekt". Diese Paddels sind für die Schultern nicht belastend, vorausgesetzt sie sind nicht zu gross.

Fitnesshandschuh im Schimmen Fistglove

Handschuhe und "Fistglove®"

Handschuhe sind eher ein Spielzeug für den Wettkampfschwimmer, weil im Vergleich zu Paddels keine Vorteile bestehen. Im Gegenteil wird die Schwimmtechnik beeinträchtigt.

Interessant aus der Sicht des Techniktrainings sind Fausthandschuhe, sog. "Fistglove®", weil sie den Effekt des Schwimmens mit Fäusten verstärken: Man hat absolut kein Wassergefühl an den Händen und man ist gezwungen Fäuste zu machen. Fistglove® helfen dem Crawlschwimmer die Körperrotation mit einem Beinschlag einzuleiten und verhindern, dass zum Atmen der Kopf und der Oberkörper mit der ersten Phase des Armzugs gestützt wird (anstatt die Zugphase mit einer hohen Ellbogenposition einzuleiten).