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Pull-Buoys im Schwimmen: Die Tücke mit der Krücke

© Felix Gmünder

Pull Buoys

Für was werden Pull Buoys empfohlen?

Deine Wasserlage und Körperhaltung macht dich entweder stromlinienförmig und schneller, oder sie erzeugt Widerstand und bremst. Das Problem ist theoretisch einfach zu lösen. In der Praxis bedeutet es verstehen, ob Pull Buoys die Lösung für das Problem sind.

Stellvertretend für viele, die Pull Buoys empfehlen, sei folgendes Zitat: "Es handelt sich um leichtes, schwimmendes Material das zwischen die Oberschenkel geklemmt wird, damit man nur mit den Armen Schwimmen kann. Sie ermöglichen es sowohl deine Schulter- und Armkraft zu trainieren, als auch, weil die Beine ruhig gestellt sind und Auftrieb erhalten, dich auf Kopf- und Körperhaltung und Hand- und Armstellung im Wasser zu konzentrieren. Verwende das Pull Buoy wenn du Mühe mit der Atmung hast und/oder wenn du nur kurze Distanz schwimmen kannst. Wenn du feststellst, dass du schneller ziehen als schwimmen kannst, weil der Pull Buoy deine Beine ohne Anstrengung in eine stromlinienförmige Wasserlage bringt, dann musst du deine Wasserlage überprüfen, damit du beim normalen Schwimmen den durch die Beine erzeugten Widerstand reduzieren kannst."

Dieses Zitat regt zum Nachdenken an. Gehörst du zu den Leuten, die lieber mit Pull Buoy (oder mit einem Wetsuit) Crawl oder Rückencrawl schwimmen als ohne? Die mit Pull Buoy schneller schwimmen als ohne? Die mit Pull Buoy leichter Atmen als ohne? Dann solltest du eigentlich an der Verbesserung deiner Wasserlage und deiner Kopfhaltung arbeiten. Der Pull Buoy dient als Krücke für "behinderte" Schwimmer, um eine falsche Wasserlage und Kopfhaltung auszugleichen. Das einzig Positive am Schwimmen mit einem Pull Buoy ist zu spüren, wie leicht und schnell man schwimmen könnte, wenn die Hüfte und die Beine nicht absinken würden, und dass man Atmen könnte ohne Wasser zu schlucken.

Darüber hinaus verhindern Pull Buoys zu Lernen, wie man den Beinschlag im Crawl und Rückencrawl zur Einleitung der Körperdrehung um die Längsachse einsetzt.

Wasserlage

Im Wasser wirken auf deinen Körper zwei Kräfte: Schwerkraft und Auftrieb. Eine gute Schwimmerin, ein guter Schwimmer, nützt die beiden Kräfte so aus, dass die verschwendete Energie zum Aufrechterhalten der richtigen Wasserlage minimal ist. Auf dem Land gibt es zwei ideale Positionen um den Aufwand gering zu halten und sich zu entspannen: Entweder Liegen oder Stehen. Bei allen Positionen dazwischen muss man teilweise sehr viel Energie aufwenden um die Position zu halten oder um nicht zu stürzen. Im Wasser muss man im Crawl und Rückencrawl versuchen den Auftrieb und die Schwerkraft so zu nutzen, dass der Körper horizontal bleibt, ohne dass die Hüfte und die Beine absinken. Den Beinschlag wollen wir für den Vortrieb und die Unterstützung der Rotation um die Körperlängsachse einsetzen, und nicht um zu verhindern, dass die Beine absinken.

Das Problem

Betrachte einen Torpedo: schlank, stromlinienförmig, schnell. Er gleitet mit wenig Aufwand durchs Wasser praktisch ohne Wellen und Fahrwasser zu erzeugen. Verschiebt man den Schwerpunkt nach hinten oder den Auftriebspunkt nach vorne, zeigt die Nase nach oben und der Schwanz sinkt nach unten. Der Torpedo wird langsamer und erzeugt mehr Fahrwasser, möglicherweise wird er vom Kurs abkommen. Einige Schwimmer schwimmen genau so. Die Ursache liegt häufig in der Kopfhaltung.

Effizientes Crawlschwimmen (und Rückencrawlschwimmen) verlangt erstens eine gestreckte Körperhaltung und horizontale Wasserlage, und zweitens ein Rollen des Körpers, welches einen längeren Zug und das Atmen ermöglicht ohne die ideale Wasserlage aufzugeben. Auf den ersten Blick ist das Problem beim Rollen, dass das Gesicht bei horizontaler Körperhaltung praktisch an der Wasseroberfläche bleibt, was das Atmen erschwert.

Die meisten reagieren darauf indem sie zum Atmen den Kopf aus dem Wasser heben. Dadurch sinken die Hüfte und die Beine weit unter die Oberfläche ab und die schöne Torpedo-Wasserlage geht verloren. Wir sind weder horizontal noch entspannt. Stattdessen werden wir langsamer und ermüden schneller, weil wir einen Teil der Energie für das überwinden des grösseren Wasserwiderstandes und das Heben des Kopfes brauchen.

Die Lösung

Die Lösung ist zu Lernen, wie man auf der Seite atmen kann ohne den Kopf zu heben und ohne dass die Hüfte und die Beine absinken. Auf unserer Website findest du alle Informationen, die du dafür brauchst: Lerne effizienter Crawl zu schwimmen

Was tun mit dem Pull Buoy?

Wenn du die richtige Wasserlage und Körperhaltung annähernd beherrscht, verwende den Pull Buoy nicht mehr. Falls du dich noch im steil ansteigenden Teil der Lernkurve befindest, kannst du ihn evtl. noch gebrauchen, um dein kinästhetisches Gefühl für die richtige Wasserlage zu schärfen: Hüfte und Beine an der Wasseroberfläche. Versuche dann ohne Pull Buoy die Wasserlage und Körperhaltung zu imitieren und den Armzug fürs Gleiten auszunützen (Front Quadrant Swimming).

Soll ich einen Wetsuit gebrauchen?

Wetsuits wurden für das Schwimmen im kalten Wasser entwickelt. Als Nebeneffekt lösen sie umgehend noch das Problem der Wasserlage: mittelmässige bis schlechte Schwimmer werden 3-5 % schneller. Wenn du im kalten Wasser schwimmen musst oder an einem Triathlon teilnimst, wo alle einen tragen, geht das in Ordnung. Wenn du aber richtig Schwimmen lernen willst solltest du ihn besser nicht anziehen.

Ist der Pull Buoy mit einem Schlauch um die Fussgelenke und Paddels ein gutes Trainingsmittel?

In einigen Vereinen werden Pull Buoys in Kombination mit einem Schlauch um die Füsse (erhöht den Wasserwiderstand) und Paddles als Mittel zum schwimmartspezifischen Trainieren der Zugmuskulatur (Arme, Rumpf) eingesetzt. Die Belastung kann durch die Grösse der Paddles bis weit in den anaeroben Bereich variiert werden. Wenn man schnell schwimmt handelt sich um eine Mischung der "Sprint-assisted" und "Sprint-resisted" Trainingsmethode.

Trainer, die diese Trainingsform befürworten weisen darauf hin, dass auf diese Weise ein schwimmspezifisches "Krafttraining" möglich sei. Das Schwimmen mit Paddels und erhöhtem Widerstand führe zu einer Steigerung des anaeroben Stoffwechsels im Muskel. Als Folge finde im Muskel eine Verbesserung der Kapillarisierung statt, die auf die Ausdauer wegen des verbesserten Sauerstofftransportes einen kleinen Einfluss habe. Andere Trainer sind skeptisch, weil erstens der Pull Buoy und die Paddles die Grob- und Feinkoordination zwischen Beinschlag, Armzug und Körperrotation störe und zweitens die Verletzungsgefahr für die Schultern sehr gross sei. Diese Trainer kombinieren "Sprint-resisted" und "Sprint-assisted" durch die Verwendung von Flossen und Fallschirmen (ohne Paddles). Vertreter beider Ansichten sind sich darin einig, dass alle diese Trainingsformen nur für Eliteschwimmer mit guter Technik und jahrelangem Trainingsaufbau bestimmt sind. Es gibt übrigens sehr erfolgreiche Schwimmerinnen und Schwimmer aus beiden "Lagern".