Seitenstechen beim Schwimmen: Ursachen und Massnahmen© Felix Gmünder |
Die Ursache ist nicht vollständig geklärt
Alle, die Sport treiben, und auch solche, die keinen Sport treiben, fürchten den Schmerz unterhalb des Rippenbogens: das Seitenstechen. Jeder kennt den Schmerz, und doch hat die Medizin noch keine endgültig gesicherte Erklärung für das Phänomen. Sicher ist nur, dass körperliche Anstrengung der Auslöser ist und meistens untrainierte Personen betroffen sind. Am häufigsten sind Schwimmer und Läufer betroffen. (Literatur: Morton, D., Callister, R. Exercise-Related Transient Abdominal Pain (ETAP). Sports Med 45, 23–35 (2015). https://doi.org/10.1007/s40279-014-0245-z)
Als mögliche Ursachen werden diskutiert:
- Durchblutungsstörungen der Milz
- Dehnung des Bindegewebes zwischen Darm und Zwerchfell nach zu üppigen Mahlzeiten
- Überbelastung des Zwerchfelles (mangelndes Training)
Die Milz als Ursache: Das Organ liegt im linken Oberbauch und hat unter anderem die Funktion, Blut zu speichern. Strengen wir uns körperlich an, brauchen die Muskeln mehr Blut. Die Milz zieht sich zusammen und presst mehr Blut in die Blutbahn. Dies tut weh. Nun sticht es aber nicht bei jedem links im Bauch. Diese Erklärung ist die unwahrscheinlichste.
Die zweite und dritte Erklärung, ein Zusammenhang mit dem Zwerchfell, könnte schon eher richtig sein, oder einen wichtigen Beitrag leisten. Bekannt ist, dass nach üppigen Mahlzeiten das Seitenstechen häufiger auftritt als nüchtern. Die Organe im Bauch hängen in einem Bandapparat, der u.a. am Zwerchfell befestigt ist. Hat man zu viel oder zu schwer gegessen, ziehen diese Organe das Zwerchfell beim Laufen nach unten. Der Haken an der Sache ist jedoch: Selbst langjährige Marathonläufer bekommen Seitenstchen - auch mit leerem Magen. Und auch Schwimmer plagt das Seitenstechen mit leerem Bauch, obwohl diese Organe im Bauch in der Schwimmlage keinen Zug auf das Zwerchfell ausüben können.
Deshalb tendieren die meisten Fachleute heute zur Auffassung, dass eine Sauerstoffunterversorgung oder Überbelastung des Zwerchfells die Schmerzen verursachen. Eine falsche Atemtechnik oder eine zu schwache Bauchmuskulatur führe zur Verkrampfung des Zwerchfelles, die wir als Seitenstechen spüren. Bekannt ist auch, dass wenig trainierte häufiger an Seitenstechen leiden als gut trainierte, und dieses mit zunehmendem Alter weniger häufig auftritt.
Was kann man dagegen tun?
Zur Vorbeugung wird von Sportmedizinern empfohlen, frühestens zwei Stunden nach dem Essen zu trainieren, die Bauchmuskulatur und das Zwerchfell mit Bauchatmung zu trainieren. Untrainierte sollten darauf achten, dass sie mit einer geringen Belastungsintensität beginnen und diese nur langsam steigern. So wird die Atemmuskulatur schonend an die Belastung gewöhnt und Seitenstiche werden vermieden.
Und was ist zu tun, wenn es dennoch sticht?
Dann lass das Tempo etwas raus und versuch, tief und regelmässig in den Bauch zu atmen. Am besten, du hebst die Arme und atmest dabei ein. Wenn du ausatmest, nimm die Arme runter und beuge deinen Oberkörper nach vorne. Wenn du tief ein- und ausatmest und dabei die Bauchmuskulatur anspannst, dehnt sich auch das Zwerchfell und der Krampf lässt nach.
Oder du drückst einfach die Hand auf die Stelle im Bauch, die weh tut. Es ist echt hilfreich, wenn man diesen Druck beim Ausatmen loslässt. Massiere die Stelle, um die Schmerzen zu lindern.
