Home swimclinic.ch

Schwimmen Ratgeber und Tipps

Die Geschichte des Badeanzugs

Nach einem Artikel von Cecil Colwin
Übersetzung © Felix Gmünder

Von Röhrenhosen und "Rubber Aquatic Clothing"

1868 berichtete ein von der Westküste Afrikas heimkehrender Engländer, dass er zu seiner grossen überraschung ein ganzes Dorf mit geflickten Gebraucht-Röhrenhosen zu seinem Dampfer schwimmen sah.

Und, wie zur gleichen Zeit, ein exzentrischer Gentlemen namens Dunlop, bereits bekannt für seine Gummipaddles und -flossen, seinen "Gummi-Aquaanzug" propagierte, ein Anzug, der den Körper von Kopf bis Fuss bedeckte, zum (für einen Millionär seiner Zeit) bescheidenen Preis von 63 Schilling (entsprach damals 3.15 £). Zum Unglück für Dunlop passten die Anzüge nicht nur schlecht, sondern der Preis lag ziemlich neben dem Markt.

Vor langer Zeit, vor dem Aufkommen der heute kontroversen geschwindigkeitsfördernden Renn-Kokons, schwammen die Leute "à la nature", d.h. so wie die NAtur sie geschaffen hatte. Tatsache ist, dass einige Hydrodynamiker meinen, dass diese Art am stromlinienförmigsten und erst noch bei weitem die Billigste sei!

Fig 2

Die Unterhosenschlacht

Vor langer Zeit war es den Männern erlaubt angesichts von Frauen nackt zu baden - und manchmal erst noch mit ihnen. Damals waren Unterhosen quasi freiwillig, bis die Pariser Polizei ein generelles Badeverbot ohne Badeanzug in der Seine erliess.

1538 badeten in Zürich [sic!] junge Männer und Frauen nur mit Unterwäsche bekleidet um die St. Nikolaus Statue [nie gehört, aber tönt gut]. In Londons Lambert Bädern wurde es den Damen während speziell für sie reserviertenn Zeiten gestattet, ohne Kleidung und Unterwäsche ins Wasser zu gehen.

1831 berichtete Kapitän H.W. Beechey aus Oahu, Hawaii, dass sie "jeden Tag Damen gesehen hätten, die sich ihrer Seidenkleider, Schlüpfer und Sonnenschirme entledigen, in bestem Schwimmstil mit den gebündelten Kleidern auf dem Kopf zu den Schiffen schwimmen und sich dort wieder anziehen. Und es war nicht weniger amüsant zu sehen, wie sie bei Tagesanbruch über Bord springen, um die Boote im Hafen schwimmen wie Meerjungfrauen - eine Praxis die sie mit grosser Lust pflegen. Viele denken heute aber, es sei bei diesen Vergnügungen nötig einen Badeanzug zu tragen."

Fig 3 In einem 1846 publizierten Buch wird gesagt, dass die Amerikaner die Engländer in Bezug auf Dekadenz noch überträfen. Bei gemischtem Baden, wie z.B. an der Atlantikküste, würden Hemden und Hosen getragen. 1860 sorgte das erstmalige Tragen von grossen, weiten Unterhosen im St. George Bad, Pimlico (London), bei den meisten Mitbadenden für grosse Aufregung.


Fig 4 Diese Aktion führte zu einem Kommentar in der Augustausgabe der Londoner Times, dass "das Wohlbefinden der Badenden unglücklicherweise durch aufdringliche Regelungen eingeschränkt wird. Wir hoffen dass die Leitung eines Tages dem Beispiel anderer Betriebe folgen wird, und diese Dinge dem Taktgefühl der Kundschaft überlassen könne. Diese Angelegenheiten werden in Oxford und anderen Orten immer noch der Umsicht jedes Einzelnen überlassen. Das Tragen irgendeiner Bedeckung ist eine schmutzige Praxis - dadurch werden Krankheiten verborgen und der freie Kontakt des Wassers mit der Haut wird verhindert. Ganz unabhängig davon wie schlecht Männerunterhosen sind, ist ihr Effekt klein im Vergleich mit der absurden Art wie sich Frauen bedecken. Ein A.S.A (Amateur Swimming Association)-Kostüm ist schon recht bei gemsichtem Baden, aber in allen anderen Fällen sollen die Geschlechter die eigene Vernunft walten lassen"

Fig 4 Für das Mieten von Unterhosen in den "Londoner Bädern" musste man anfänglich einen Penny zahlen - in den anderen Bädern Londons war die Benützung frei. Die Spitzenleistung der Mode wurde 1864 in Biaritz präsentiert (Bild links): Der geeignete Schwimmanzug für Damen bestand aus Kostüm, Hut und Stiefeln.

Demgegenüber klammerten sich die Boys im Eaton College bis 1883 an die Tradition des Nacktbadens und in Japan badeten damals noch Männer, Frauen und Kinder zusammen nackt in der öffentlichkeit. Erst 1896 mussten in London die Schulkinder zum Baden Unterwäsche überziehen - eine "lächerliche und sogar verderbliche Sitte".

Fig 5

Die Trouville Modeschau

In Trouville, Boulogne und anderen Orten Europas wurden den Badenden keine Vorschriften auferlegt. Es war nichts Ungewöhnliches "teure aber geschmacklose Kreationen von Worth (dem bekannten Pariser Schneider) auf den Sandstränden anzutreffen. Die täglichen Badeveranstaltungen glichen eher einer Schau."

Das "Royal Magazine" vom November 1898 erwähnte eine kühne junge Dame, die im Trouville-Kostüm in der Themse schwamm (siehe übrige Bilder)

Fräulein Samuda, eine andere kesse Schwimmerin, "schwamm eine viertel Meile an Land, vollständig gekleidet, mit gefüttertem Fischerinnenrock und allen Unterröcken einer Lady inklusive Korsett, Stiefeln, Hut und Handschuhen, darüber hinaus in einer Hand den geöffneten riesigen Schirm, in der anderen den ihr bei der wichtigen Gelegenheit übergebenen bunten Blumenstrauss." Wer würde eine detailliertere Beschreibung eines so wichtigen Anlasses erwarten?

Fig 6

Annette Kellerman spricht Klartext

1918 beklagte sich niemand geringerer als Annette Kellerman, australischer Schwimm- und Filmstar, bitter über diese "grauenhaften, unnötigen, klumpen Schwimmanzüge, die mehr Tote durch Ertrinken als Muskelkrämpfe zur Folge haben." Wenn man Kellerman im "Bodysuit" schwimmen sieht (Bild links), so wundert man sich, ob sich die Geschichte wiederholt. Kellerman sagte, "es git zwei Arten Badeanzüge - diese die für den Gebrauch im Wasser bestimmt sind, und diese, die nichts taugen ausser für den Gebrauch an Land. Wenn du Schwimmen gehen willst, brauchst du einen Badeanzug. Wenn du aber bloss am Strand spielen und für die Kamera posieren willst, kannst du die Landvariante wählen."