Was haben Klappmesser, Scheibenwischer, Waschbrett und Doppelstock mit einem Schwimmbad zu tun?
© Felix GmünderGenausoviel wie Nudeln, Stäbe, Bretter und Schläuche. Bei den einen handelt es sich um gymnastische übungen, die im Pool ausgeführt werden, bei den anderen um die dabei verwendeten Hilfsmittel. Mit knallgelben, giftgrünen, violetten und pinkfarbenen Schaumstoffdingern wird durch Hallenbäder, Hotelpools und Thermalschwimmbecken gerudert, geradelt und gestrampelt, einmal in der Hocke, ein andermal im «Schmetterlingsflug», dann wieder als Unterwasserjogger oder im Stil eines verzweifelten Tour-de-Suisse-Fahrers. Das Ganze nennt sich Aquatraining, Aqua-Fit, Aqua-Trimm, Aquarobic, Aqua-Fitness, Aqua-Gym, Aqua-Jogging oder schlicht und einfach Wassergymnastik.
Was macht Aquafitness attraktiv und effizient?
Die Lektion beginnt mit einer sehr positiven Erfahrung. Gleich beim Eintauchen in den Swimmingpool strafft sich die Haut, die Taille ist um vier Zentimeter schmäler, die Beine zeigen sich glatt und schön geformt. Dem hydrostatischen Druck sei Dank! Erfreulich ist auch die zweite Erfahrung: Man ist viel leichter, freier, beweglicher als an Land. Ein 70 Kilo schwerer Mensch wiegt, wenn ihm das Wasser bis zur Schulter reicht, nur noch 7 Kilo. Die Haut prickelt angenehm bei jeder Bewegung, als ob sie - wie die Trainerin sich ausdrückt - von «tausend zärtlichen Händen gestreichelt würde». Gut, dass man auf die von cleveren Verkäufern angepriesenen Wasserjogging-Schuhe und Schwimmflossen-Handschuhe verzichtet, sie würden das ganzheitliche, sinnliche Erlebnis zunichte machen.Die nachfolgende Erfahrung holt einen jedoch aus dem Glückstaumel der Schwerelosigkeit zurück: Man kommt viel schneller ins Schwitzen, als man dachte. Und dies trotz einer Wassertemperatur von 28 Grad. Der Widerstand des Wassers ist 790mal stärker als jener der Luft, so dass eine Trainingsminute im Wasser fünf Minuten auf dem Trockenen entspricht und eine Stunde seriösen Aquatrainings genau so anstrengend ist wie zwei Stunden Aerobic. Doch die Anstrengung lohnt sich. Die Kraft des Wassers ist bei richtiger Nutzung praktisch für alles gut: zur Kräftigung, Dehnung und Lockerung der Muskeln, zur Festigung des Gewebes, zur Ankurbelung des Kreislaufs, zum Ausgleich von Disharmonien, zur Aktivierung verkümmerter Funktionen, zur Verbesserung von Beweglichkeit, Koordination, Konzentration, Geschicklichkeit und Ausdauer sowie zur Beseitigung von Schmerzen, übergewicht und Verdauungsproblemen und nicht zuletzt zur Steigerung der allgemeinen Vitalität.
Ist Aquafitness etwas Neues?
Gymnastische übungen im Wasser sind eigentlich nichts Neues. Durch neuartige Therapie- und Trainingsprogramme, lustige Hilfsmittel, pfiffige Bezeichnungen und zugkräftige Vorbilder wie Markus Ryffel und andere Sportler entwickelte sich jedoch in den letzten Jahrzehnten ein richtiger Wasser-Fitness-Boom. Und wie bei allem, was in Mode kommt, gibt es auch hier innovative Unternehmer und Trittbrettfahrer, Weiterentwicklungen und Nachahmungen. Laufend werden neue Methoden propagiert, noch mehr versprechende Namen erfunden, noch mehr Geräte auf den Markt gebracht.Ist Aquafitness für Hobby- und Spitzensportler geeignet?
Die Gymnastiklehrerin und Bewegungstherapeutin Margot Zeitvogel aus dem deutschen Bad Reichenhall, die schon seit Anfang der achtziger Jahre einschlägige Bücher schreibt und mittlerweile auch die deutsche Damen-Skinationalmannschaft unterrichtet, gilt als Pionierin dieser Art von Fitnesstrainings. Angeregt durch die Ausführungen des im 18. Jahrhundert lebenden schlesischen Wasserdoktors Johann Sigmund Hahn («Zwar mag wohl das Wasser die Hässlichen nicht schön machen, doch ist es vermögend, die noch gegenwärtige Schönheit ziemlich zu erhalten») und die Lehre Pfarrer Sebastian Kneipps, erarbeitete sie bereits 1979 eigenständige Trainingsformen für Gesunde und Rekonvaleszente, Freizeit- und Spitzensportler und entwarf auch gleich die dazu geeigneten Geräte, bunte Stangen, Schwimmbretter, Bälle und Ringe, die nun in österreich produziert werden. Ihr «Aquatraining» nützt die physikalischen Eigenschaften des Wassers, wie Auftrieb, Druck und Widerstand, optimal aus, so dass der ganze Körper gelenk- und bänderschonend trainiert und massiert wird, das Gewebe und die Muskeln gestärkt werden.Welche Methoden werden praktiziert?
In der Schweiz werden zahlreiche verschiedene Methoden praktiziert. Ria Luck, die in den Hallenbädern von Adliswil und Langnau am Albis sogenannte «Aqua-Fit»-Kurse erteilt, betont die Wichtigkeit individueller übungsprogramme, die auf den Gesundheits- und Fitnesszustand der Teilnehmer abgestimmt sind. Gesunde absolvieren zuerst ein Aufwärmtraining am Bassinrand, dann werden Beine und Haltung im 90 cm tiefen Lehrschwimmbecken trainiert und schliesslich ist ein Ganzkörpertraining im 120 cm tiefen Wasser angesagt. Mit Ausnahme von Schaumstoffschläuchen werden keinerlei Hilfsmittel benutzt. Man arbeitet nur mit dem Wasserwiderstand, der je nach Bewegung und Körperhaltung dosiert werden kann.Warum sind die Männer (immer noch) in der Unterzahl?
Warum bis anhin nur etwa zehn Prozent aller Teilnehmer Männer sind, ist schwer zu sagen. Ob es daran liegt, dass die übungen allzu spielerisch wirken? Nach Meinung von Ria Luck wird das ändern. Der Grund liegt auf der Hand: Wer einmal damit beginnt, kommt nicht mehr davon los und zieht unweigerlich andere mit hinein. Nicht nur, weil die physische Wirkung verblüffend ist. Es macht auch unheimlich Spass.Wie muss ich zum Abnehmen schwimmen?
Es ist bekannt, dass man mit Sport nur abnimmt, wenn man sich intensiv und während längerer Zeit bewegt, wie wir bereits ausführlich berichtet haben: Macht Schwimmen dick?
Zum Abnehmen muss man intensiv schwimmen: Artikel hier lesen!