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Hypoxisches, hypobarisches Training undHöhentraining im Schwimmsport: Nützt es etwas?

© Felix Gmünder

Höhentraining

Ältere Berichte und Erfahrungen

Viele Sportler erwägen ein Höhentraining zur Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit. Das Höhentraining wurde im Vorfeld der olympischen Spiele 1968 in Mexico City bekannt. Die Athleten bereiteten sich so auf die Wettkämpfe in grosser Höhe vor. In der Folge wurde es in allen Ausdauersportarten – inklusive Schwimmen – als taugliches Mittel zur Förderung der Ausdauer empfohlen. Fachleute sind sich heute einig, dass das Höhentraining notwendig ist im Hinblick auf Wettkämpfe in höher gelegenen Regionen. Ob sich mit Höhentraining die sportliche Leistungsfähigkeit auch im Flachland verbessern lässt, ist heute umstritten (siehe unten, neuere Erkenntnisse).

In der Höhe wird, bedingt durch den niedrigeren Sauerstoffpartialdruck in der Luft und im Körper, die Atmung beschleunigt und die Erythropoese (Erythrozytenbildung) angekurbelt, um die Sauerstoffzufuhr ins Gewebe zu verbessern. Die gesteigerte Atmung hat darüber hinaus eine Stärkung der Atemmuskulatur zur Folge.

Die Akklimatisierung garantiere eine höhere Leistung, solange der Sportler, die Sportlerin sich in den Bergen, d.h. über ca. 2500 Metern, aufhält, sagen die Sportmediziner. Bis zur vollen Akklimatisierung sei mit drei Wochen Aufenthalt und Training zu rechnen. Die innerhalb der ersten Tage gemessene Hämoglobin- und Hämatokritzunahme seien die Folge eines reduzierten Plasmavolumens.

Diese Verringerung des Plasmavolumens könne sich bei der Rückkehr ins Flachland negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirken, weil sich das Blut dickflüssiger verhält. Genauso verhält es sich mit dem erhöhten Erythrozytengehalt nach längerem Aufenthalt, auch dieser verändert das Fliessverhalten des Blutes im nachteiligen Sinn (zu hohe Hämatokritgehalte führen zu einer so genannten zeitlich begrenzten Schutzsperre), was im Flachland nicht erwünscht ist.

Es wird von Sportmedizinern betont, dass die Anpassung und die Auswirkungen individuell stark variieren können. Die in früheren Jahren festgestellte Leistungssteigerung im Flachland sei möglicherweise eher auf die idealen Trainingsbedingungen und die bessere Trainingsqualität im Höhentrainingslager zurückzuführen.

Wer trotzdem von der dünnen Luft profitieren will, kann sich während der Nacht in einem Höhenzelt zur Ruhe legen, was deutlich billiger kommt, aber den gleichen Zweck wie ein Höhentraining erfüllt.

Im Höhenzelt kann ein Luftdruck hergestellt werden, wie er in grosser Höhe herrscht; zum Beispiel ein Druck wie in 4000 Metern Höhe. Dadurch wird der Sauerstoffpartialdruck um rund 40 Prozent erniedrigt. Zu beachten ist, dass zu hohe Hämatokritwerte gesundheitsschädigend werden können (Thrombosegefahr über 50 Prozent).220

Neuere Erkenntnisse

Wie wir bereits oben angetönt, ist die Wirkung auf das Leistungsvermögen im Flachland heute umstritten. Neuere Artikel zu diesem Thema bestätigen diese Erkenntnis, zum Beispiel:
  • Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten von Virgile Lecoultre und seinen Kollegen (Universität Lausanne) weisen sogar darauf hin, dass Höhentraining schädlich sein könnte, weil es zu einer Störung des Glucosehaushaltes führe [Abstract auf Englisch]. Das Ziel der Arbeit war, mögliche Synergieeffekte zwischen Training und niedrigem Sauerstoffgehalt der Luft (Hypoxie) herauszufinden, und den Laktat- und Glucosehaushalt unter normalen und hypoxischen Bedingungen auf 50%0 m Höhe zu studieren. Nach 4-wöchigem Training entweder unter normalen oder hypoxischen Bedingungen wurde in Bezug auf das Leistungsvermögen bei beiden Gruppen eine eindeutige Leistungsverbesserung gemessen, aber es wurde unter normalen Bedingungen kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen festgestellt. Das Höhentraining zahlte sich also für die Leistung auf normaler Höhe nicht aus. Auch die Laktatabbauvermögen wurde durch Höhentraining nicht verbessert. Hingegen wurde entdeckt, dass während des Höhentraining die Blutkonzentrationen des Insulins und des Blutzuckers deutlich erhöht waren. Die Ursachen dafür müssen weiter erforscht werden. Lecoultre empfiehlt übergewichtigen und Diabetikern nicht in der Höhe zu trainieren, und das Höhentraining grundsätzlich zu überdenken, da der Nutzen nicht nachgewiesen werden kann.
  • Zu nicht ganz so negativen Resultaten kam eine Arbeitsgruppe um Ferran A Rodríguez (University of Texas, [Abstract auf Englisch]). Das Ergebnis kann so zusammengefasst werden: Ein vierwöchiges simuliertes Höhenatmungsprotokoll führte bei einer gemischten Gruppe aus trainierten Läufern und Schwimmern zu keiner Verbesserung der Gesamtleistung im Zeitfahren oder der aeroben Kapazität. Bei einer separaten Analyse zeigten die Schwimmer, die das Höhenprotokoll anwendeten, jedoch nach einer Trainingsreduktion vor dem Wettkampf eine deutliche Steigerung ihrer aeroben Fitness (VO2max) und ihrer Ausdauerschwellen. Letztendlich hat diese spezifische „Dosis“ an Höhenexposition zwar nicht bei allen gewirkt, deutet jedoch darauf hin, dass ein massgeschneidertes Höhentraining für Schwimmer, die sich auf einen Wettkampf vorbereiten, dennoch verborgene Vorteile bieten könnte.