Die Geschichte das Schwimmens
Übersetzung © Felix GmünderNach einem Artikel in der Washington Post
Die Anfänge
Die klassischen Kulturen hinterliessen uns zahlreiche Zeugnisse über ihre Schwimmfähigkeiten. Reliefe aus einem altägyptischen Grab aus der Zeit von 2000 v. Chr. zeigt einen dem Kraul ähnliche Schwimmart mit Armzügen über Wasser. Die Assyrer hielten Brustschwimmer in Form von Steinreliefs fest. Die Hethiter, Minoer und andere Frühkulturen hinterliessen uns darüber hinaus eine Vielzahl von Malereien mit Schwimmern und Tauchern.Auch in der Bibel wird auf die Fortbewegung im Wasser Bezug genommen, beispielsweise in Ezechiel 47:5, Apostelgeschichte 27:42 und Jesaja 25:11. Das Wettkampfschwimmen ist in japanischen Quellen seit 36 v. Chr. belegt, als der erste bekannte Schwimmwettkampf duchgeführt wurde.
Die erste schriftliche Quelle stammt aus dem Jahr 1538, als der deutsche Gelehrte Nicolas Wynman seine Gedanken zum Schwimmen festhielt. 1669 wurde das erste Buch über das Schwimmen, "l'art de natation", vom Franzosen Thévénot verfasst; er beschrieb zum ersten Mal das Brustschwimmen, bei dem der Kopf zum Wasser herausschaut und die Arme unter Wasser zurückgeführt werden. Diese Schwimmart verleihe dem Schwimmer auch im bewegten Wasser gute Stabilität. Eine englische Übersetzung von Thévénots Buch ist schuld daran, dass sich die Brusttechnik in den folgenden Jahrhunderten als Standardstil weltweit durchsetzte.
Das Wettkampfschwimmen wird populär
Die Briten sind wahrscheinlich die ersten, die das Schwimmen im Sinne eines Sports verstanden. 1837 entwickelte sich in den ersten Hallenbädern Londons das moderne Wettkampfschwimmen [Geschichte des Badeanzugs]. Die National Swimming Society legte die ersten Wettkampfregeln fest. Geschwommen wurde entweder Brust- oder Seitenschwimmen. 1844 nahmen amerikanische Gäste an einem Londoner Meeting teil. Flying Gull ("Fliegende Möve") schwamm 39.6 m in 30 Sekunden und gewann gegen "Tabak" - logischerweise - die Medaille. Ihre Schwimmtechnik wurde beschrieben wie "das Wasser wie eine Windmühle mit den Armen dreschend" und die Beine "mit einer Auf- und Abbewegung tretend". Diese urform des Kraul war zwar in diesem Rennen entscheidend, aber die Engländer zogen den Bruststil für die Wettkämpfe weiterhin vor.Die Engländer kämpften auch gerne gegen die Natur. 1875 bezwang Matthew Webb als Erster den Kanal. Im Bruststil benötigte er für die die knapp 33 Kilometer lange Strecke von Dover nach Calais 21 Stunden und 45 Minuten. Die erste Kanalschwimmerin Gertrude Ederle hielt nach 1926 lange den Kanalrekord.
Die Moderne: schwimmen im 20. Jh.
Freizeitschwimmen
Das Freizeitschwimmen wurde Ende des 19. Jh. sehr beliebt. Der erste fürs Publikum zugängliche Pool in den USA wurde 187 in Brookline, Massachusetts gebaut. Bald danach folgten New York City mit den damals "Bäder" genannten Einrichtungen. In den 1920er Jahren, beim ersten Bäderboom, entstanden in den USA 1000e von Pools darunter zahlreiche private "estate pools" im eigenen Garten. In der Schweiz wurde 1900 in Winterthur mit der "Badewannenmoschee" das Erste und 1908 das Volksbad als vermutlich zweites Hallenbad in St. Gallen eröffnet. Das älteste Schwimmbad der Schweiz stand von 1927-1971 in Hofwyl im Kanton Bern. Das In den USA sind heute etwa 6.5 Millionen Pools vorhanden.Heute gibts fast überall Schwimmbecken. Gemeinden und Städte, Schulen, Hotels u.s.w. verfügen über Becken. Darüber hinaus gibt es Vergnügungsbäder mit Rutschbahnen, Wellenanlagen, die Leute anziehen, die neben dem Wasser auch noch den Nervenkitzel suchen. Das Schwimmen im Meer, in Seen und Flüssen ist trotz den Bädern nach wie vor sehr populär.
Parallel zur Zunahme der Anzahl Bäder haben auch die Aktivitäten in und auf dem Wasser zugenommen: Der Bootsport, Wasserskifahren, Schnorcheln und Tauchen, Windsurfen, Fischen und eine Vielzahl von Spielen - von Fangen bis zum Wasserball - sind zunehmend beliebt, genauso wie erholende Massnahmen wie heisse Bäder, Sauna, Whirlpools, die oft in Kombination mit Schwimmbädern anzutreffen sind.
Das Freizeitschwimmen hat auch einen grossen gesellschaftlichen Stellenwert bekommen. Familienbande und nachbarschaftliche Beziehungen werden gestärkt durch Wochenende in Bädern und am Strand, Urlaub an Bergseen, Poolparties oder einfach die Kinder aus der Nachbarschaft bei sich im Pool zu haben.
Fitness-Aerobics
Die regenerierende Wirkung des Wassers wurde schon in der Antike u.a. von den Griechen und Römern erkannt: Alle entwickelten Kulturen kannten die "Badekultur". Die Römer schrieben die "Gesundheit komme aus dem Wasser" auf die Wände von öffentlichen Bädern.In unserer Zeit wurde die Bedeutung von aerober Belastung und der Vorteil von sportlichen Übungen im Wasser bekannt. Wassersport führt zu weniger Belastungen und Verletzungen von Sehnen und Gelenken. Forschungsarbeiten in den 60er Jahren zu den Themen Konditionstraining und Aerobics revolutionierten den Wasser- und die meisten anderen Sportarten. Die Betonung verschob sich von der Muskelentwicklung zur auf der kardiovaskulären Belastung. Die Fitness fokussiert sich heute auf die Pulsrate, Widerstandskraft, Überbelastung, Stoffwechsel und andere Aspekte.
Die Entwicklung der modernen Schwimmarten
Obwohl der Mensch seit Urzeiten schwimmt, wurden die Stilarten erst in den letzten 100 Jahren verfeinert. Das Wettkampfschwimmen, insbesondere die modernen Olympischen Spiele seit 1896 (Athen) erhöhten das Interesse an der Schwimmtechnik. Die wissenschaftliche Untersuchung der Schwimmtechnik half mit, diese zu verfeinern, grössere Geschwindigkeiten zu erzielen und den Vortrieb im Wasser zu verstehen.Das Kraulschwimmen (Crawl)
Die Inffiezienz des "Trudgens" brachte den Australier Richard Cavill dazu mit Neuem zu experimentieren. Er beobachtete die Einheimischen auf den Solomoninseln, die den Kraulbeinschlag mit dem Überwasserarmzug kombinierten. Cavill verwendete diese Stilart 1902 an der Internationalen Meisterschaft und senkte den Weltrekord über 100 Yards auf 58.4 Sekunden (100 m in 1:03.89). Diese Schwimmart wurde unter dem Namen Australischer Crawl bekannt.Brust und Delfin (Schmetterling)
Die Schwimmforschung half auch der Entwicklung des Brustschwimmens. Obwohl andere Schwimmarten schneller sind, ist das Brustschwimmen immer noch eine Wettkampfschwimmart. Bis in die 50er Jahre war das Brustschwimmen die einzige Schwimmart, die genau festgelegt war. Die Rückführung der Arme und das Anziehn der Beine unter Wasser nach vorne wirkt stark bremsend.1934 fand David Armbruster, Trainer an der Universität von Iowa, etwas neues heraus: Beide Arme konnten gleichzeitig über Wasser nach vorne zurückgeführt werden. Dieses "Schmettern" erhöhte die Schwimmgeschwindigkeit, kostete aber mehr Trainingsaufwand und Kondition. 1935 schwamm Jack Sieg, ebenfalls von der Universität von Iowa, auf der Seite, mit den Beinen wie mit einem Fischschwanz schlagend. Er konnte das schliesslich auch auf dem Bauch. Armbruster und Sieg kombinierten das Schmettern der Arme und den Beinschlag bis die Koordination sass: Das Delfinschwimmen, wie es eigentlich heissen sollte, war geboren. Mit zwei Delfinkicks pro Armzug schwamm Sieg damals die 100 Yards in 1:00.2 (100 m in 1:05.85).
Doch damals sagte man dem noch Schmetterlings-Brustschwimmen, es war schneller als das normale Brustschwimmen und wurde an Schwimmwettkämpfen als Regelwidrigkeit nicht toleriert. 20 Jahre lang brauchten die Meister-Brustschwimmer einzig die Überwasserform des Armzugs in Kombination mit einem verkürzten Brustbeinschlag. Erst Ende der 50er Jahre wurde der Delfinkick als eigene Schwimmart legalisiert. Viele Schwimmer sagen, das Schlängeln sei der Schlüssel für die Schwimmart, und jemand, der die Wellenbewegung beherrsche, könne das Delfinschwimmen leichter lernen.
Wettkampfschwimmen
Die beste Methode, um die Technikverfeinerungen und -änderungen der Schwimmer in Bezug auf eine Verbesserung zu testen, ist der Vergleich an einem Wettkampf. Das ist der Grund, warum auf Geschwindigkeit und Ausdauer so grosser Wert gelegt wird.Schwimmer als Rekordjäger
Alfred Hajos gewann die erste Männer-Goldmedaille im Schwimmen an Olympischen Spielen, nämlich 1896 in Athen. Seine 100-m-Freistilzeit betrug 1:22.2. Der Weltrekord wurde seither laufend verbessert.Bekannt als olympische Schwimmer wurden Weissmüller und Spitz. Johnny Weissmüller gewann 5 olympische Medaillen und verlor in seiner 10-jährigen Karriere kein einziges Rennen. Mark Spitz brachte es allein an den olympischen Spielen in München 1972 auf sieben Goldmedaillen - mehr als alle anderen Schwimmer in der Geschichte der olympischen Spiele.
An den ersten modernen olympischen Spielen gab es nur 4 Schwimmwettkämpfe, drei davon Freistil. An den zweiten olympischen Spielen 1900 in Paris wurden drei unübliche Schwimmwettkämpfe durchgeführt. Einer war ein Hindernisschwimmen, ein zweiter ein Unterwasserausdauerschwimmen und der dritte ein 4'000-m-Schwimmen. Alle drei Wettkampfformen wurden später nicht mehr durchgeführt.
Aus verschiedenen Gründen waren Frauen an den ersten olympischen Spielen ausgeschlossen. Pierre de Coubertin, der Gründer der modernen olympischen Bewegung war im Einklang mit der viktorianischen Zeit der festen Überzeugung, dass Frauen zu zerbrechlich für den Wettkampfsport seien ["Frauensport im 19. Jahrhundert: Die Etikette verletzt und die Gesundheit gefährdet]. 1900 durften Frauen im Tennis und Golf mitspielen, weil diese beiden Sportarten in Europa sehr beliebt waren (bis zur Gründung des IOC konnte das Gastland die Sportarten bestimmen). 1912 durften die Frauen erstmals an olympischen Spielen mitschwimmen auf Drängen einer Gruppe von Leuten, die sich nachher als IOC etablierten.
Schwimmen an olympischen Spielen begann sehr bescheiden mit 4 Wettkämpfen. 2024 waren es 36, je 18 für Männer und Frauen. Ab 2028 sind es 42 (plus die drei 50 Meter Sprintstrecken, Rücken, Schmetterling und Brust).
Schwimmen im Parasport
Auch das Schwimmen im Parasport hat eine lange Geschichte hinter sich. 1924 führte das Internationale Komitee für Taubstummensport die ersten Sommer-Weltspiele für Taubstumme durch. Athleten mit geistiger Behinderung nahmen zum ersten Mal 1968 an einer Sommerolympiade teil.Forschungs- und Trainingstechniken
Im Gegensatz zum Walking und anderen Fortbewegungsmethoeden, ist das Schwimmen keine natürliche Fortbewegungsart des Menschen. Eine stehende Position an Land lässt sich nicht ohne Weiteres auf eine legende Position im Wasser übertragen. Darum haben im Laufe der Geschichte so viele Leute mit verschiedenen Lösungsansätzen experimentiert, um besser zu Schwimmen. Der Grund für die Vielzahl von Schwimmarten liegt in der Natur der Hüft- und Schultergelenke: Kugel und Pfanne im Hüft- und Schultergelenk.Die ersten Schwimmer experimentierten mit Versuch und Irrtum und beobachteten. 1928 filmte David Armbruster Schwimmer zum ersten Mal überhaupt. Auch die Japaner filmten und studierten Weltklasseathleten, sogar unter Wasser, um ihre Schwimmtechnik zu studieren. Sie verwendeten die Erkenntnisse, um das Team zu formieren, das 1932 die olympischen Spiele dominierte. Das war gleichzeitig der Beginn der Forschung über die Schwimmtechnik.
Zur gleichen Zeit erkannten Andere die Rolle der Kondition. Die Spiele von 1956 in Melbourne zeigten klar die Rolle des Konditionstrainings auf. Das australische Team zeigte das deutsch und deutlich. Der fantastische Erfolg der Australier war einzig auf das Konditionstraining zurückzuführen, nicht die Schwimmtechnik. In den USA begann man Trainingsprogramme von Läufern zu übernehmen, welche es erlaubten, die 4-Minuten-Grenze für die Meile zu brechen. Es handelte sich um die Intervallmethoden.
Heute liegt das Schwergewicht der Forschung auf der Untersuchung und Senkung des hydrodynamischen Widerstandes. Die Pioniere auf diesem Gebiet sind James Counsilman, Charles Silvia, Ernest Maglischo und Gennadi Touretski, die die Schwimmtechnik mit ihren Untersuchungen revolutioniert haben.
Das verbesserte Verständnis für die Rolle der Schwimmtechnik trug zur Verbesserung der geschwommenen Zeiten wesentlich bei.
