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Ohrenschmerzen nach dem Schwimmen: was tun?

© Felix Gmünder

Das sind die möglichen Ursachen

Ohrenschmerzen bei Schwimmerinnen und Schwimmern können verschiedene Ursachen haben. Meist handelt es sich um eine Entzündung des Aussenohrs bzw. des äusseren Gehörganges. Etwas weniger häufig ist die gefährlichere Mittelohrentzündung (Otitis media, s. Bild), ein Abszess im Gehörgang oder Mastoiditis, eine Entzündung im Knochenvorsprung hinter dem Ohr.

Ohr /Ear

Nach dem Schwimmen (oder auch nach dem Duschen oder Baden) kann Wasser im äusseren Gehörgang sitzen bleiben. Im feuchten und warmen Gehörgang vermehren sich leicht Bakterien auf der Haut des Gehörgangs. Schon nach wenigen Stunden kann sich das als Jucken oder Schmerz bemerkbar machen. Wenn diese beginnende Entzündung nicht spontan abklingt kann sie eskalieren, was mit grossen Schmerzen verbunden ist.

Das Ohr ist eigentlich von Natur aus gut auf Nässe vorbereitet: Talgdrüsen produzieren reichlich Ohrenschmalz, das den Gehörgang "fettet" und schützt. Dadurch fliesst Wasser besser ab. Das Ohrenschmalz ist nur für sehr wenige Bakterien ein Nährstoff, wenn er nicht entfernt wird oder über längere Zeit nass bleibt. Das Ohrenschmalz ist darüber hinaus nützlich, weil damit Hautschuppen und in die Ohren gelangter Schmutz aus dem Ohr "geschwemmt" werden. Allerdings kann häufiger und langdauernder Aufenthalt in Wasser, vor allem schmutzigem Wasser, zu Infektionen führen. Viel trainierende WassersportlerInnen müssen damit rechnen, dass das Ohrenschmalz weggewaschen wirdund der Gehörgang "austrocknet", was ihn anfällig macht für Infektionen.

Wenn man bei beginnendem Jucken oder Schmerzen am Ohrläppchen oder der Ohrmuschel zieht und es schmerzt dabei mehr, handelt es sich ziemlich sicher um eine Entzündung des äusseren Gehörsganges. Mittelohrentzündungen tun immer gleich weh. Darüber hinaus bekommt man bei einer Gehörgangsentzündung in der Regel kein Fieber.

Tipp 1: Geh zum Arzt

Am besten geht man bei beginnenden Ohrenschmerzen gleich zum Arzt, ausser man ist mit den Symptomen bestens vertraut, weil man sie schon mehrmals erlebt hat.

Der (Ohren-)arzt wird im Falle einer Gehörgangsentzündung zuerst die Ohren inspizieren, sorgfältig reinigen (je nach Schmerzempfindlichkeit) und dann ggf. eine "Meche" einlegen. Eine Meche ist ein schmaler, eng gerollter Gazestreifen, der mit Medikamenten (z.B. Antibiotika, schmerzstillende und entzündungshemmende Substanzen) getränkt ist. In anderen Fällen werden diese Medikamente in Form von Ohrentropfen angewandt.

Gefährlich ist es, wenn man eine beginnende Mittelohrentzündung oder sogar eine Mastoiditis (Entzündung des Knochens hinter dem Ohr) verpasst, denn im Extremfall führen diese zur Taubheit. Genauso gefährlich ist es, eine Mittelohrentzündung für eine Entzündung des äusseren Gehörganges zu halten und zu versuchen, sie mit lokal wirksamen Präparaten (Meche oder Ohrentropfen) zu behandeln. Weil das Trommelfell den Gehörgang verschliesst können diese Präparate gar nicht zum Infektionsherd gelangen. In solchen Fällen sind oral einzunehmende Medikamente, v.a. Antibiotika und Schmerzmittel, kaum zu vermeiden.

Meistens kommen einige Tage Wasserverbot dazu. Deshalb ist es gescheiter, die Entzündungen zu vermeiden.

Tipp 2: Was kann ich zur Vermeidung von Ohrenweh machen?

Nach dem Schwimmen oder Duschen muss das Wasser aus den Ohren geleert oder geschüttelt werden, ggf. indem man bei seitlicher Kopfhaltung leicht am Ohrläppchen oder der Ohrmuschel zieht. Auf keinen Fall sollte man mit Wattestäbchen oder anderen saugfähigen Gegenständen ins Ohr hinein: Damit werden das schützende Ohrenschmalz und ggf. Hautschuppen ins Innere gestossen, ein Zerumenalpropfen (von Cerumen, das Ohrenschmalz) kann sich bilden. Die Wahrscheinlichkeit einer Entzündung nimmt damit zu. Wattestäbchen und ähnliches gehören zu den häufigsten Auslösern einer Entzündung des äusseren Gehörganges!

Stattdessen sollte man sich nach dem Aufenthalt im Wasser die Ohren mit einem Essig-Wassergemisch (50% Essig, 50% Wasser) ausspülen. Das Essigwasser ist sehr gut hautverträglich und der leichte Säuregehalt verhindert, dass (krankheitserregende) Bakterien wachsen können. Der natürliche Säuremantel des Aussenohres wird wieder hergestellt.

Tipp 3: Der beste und günstigste Ohrenschutz: Essigwasser

Dazu beschafft man sich in einer Drogerie oder Apotheke ein Tropffläschchen mit Gummipipette (10 oder 20 Milliliter) und füllt es halb mit Essig (der billigste Speiseessig reicht für diesen Zweck), halb mit Wasser. Man trocknet das Ohr nur von aussen mit einem Taschen- oder Badetuch (Kopf in Seithaltung nach unten) und füllt das Ohr mit dem Essig-Wasser-Gemisch. Den Kopf auf die andere Seite neigen und evtl. etwas am Ohr zupfen, damit das Essigwasser ganz hineinfliesst, um es dann nochmals wie erwähnt zu trocknen. Dieser Rat ist der beste und günstigste Ohrenschutz gemäss Fachärzten!

Alkohol-Essiggemische sind auch tauglich, haben aber den Nachteil, dass die Ohren eher entfettet werden. Der Vorteil ist, dass 50%iger Alkohol ein gutes Desinfektionsmittel ist.

Die meisten Apotheken in der Schweiz führen selbst hergestellte Lösungen für Wassersportler, die meist Tauchertropfen oder ähnlich genannt werden. Sie enthalten üblicherweise Essigsäure, Isopropanol zur Desinfektion und einen öl-in-Wasser-Emulgator, meist Tween-20® oder ein anderes Polysorbat zum Befeuchten, in einer wässrigen Lösung.

Finde selber heraus, was für deine Ohren am Besten ist. Falls sich aber schon eine Aussenohrentzündung entwickelt hat, hilft nur der schnelle Gang zum Arzt. Wachs- oder Paraffinpropfen sind in der Regel geeeignet, um das Wasser aus den Ohren zu halten: Sie haben aber wie Wattestäbchen den Nachteil, dass sie beim Einführen Ohrenschmalz und abgestossene Hautschuppen ins Innere befördern und so eine Infektion begünstigen.

Die Verwendung von Bademützen kann auch nützlich sein. Die Bademütze hält die Ohren warm und kann vor allem bei kältempfindlichen Personen von Nutzen sein.

So nach der zehnten Episode ist man dann schlau genug, um zu wissen, was die eigenen Ohren vertragen und was nicht...