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Übertraining im Schwimmen

© Felix Gmünder

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Das Wichtigste über Übertraining in Kürze

Als Übertraining wird der Zustand bezeichnet, in dem die Leistungen eines Athleten trotz harten Trainings anstatt besser schlechter werden. Trotz jahrelanger Forschung ist es nicht möglich, den Zustand des Übertrainings mit einem einfachen Test zuverlässig zu diagnostizieren. Vielmehr muss man mit Hilfe einer Kriterienliste und der Trainingsanalyse auf den Übertrainingszustand schliessen.

Niedrige Cortisolwerte, Katecholamine und ein reduziertes oder fehlendes Ansteigen des freien Cortisols nach einer Leistung sind ein Zeichen für Übertraining. Dieses Zeichen ist aber nicht zuverlässig für die Diagnose und kann fehlen. Die neusten Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Übertraining am Besten als Entzündungsreaktion im ganzen Körper beschrieben wird.

Die Behandlung des Übertrainings besteht in totaler Ruhe oder niedrig dosiertem Training in einer nicht verwandten Sportart. Die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit kann Wochen oder Monate dauern. Die Vorbeugung beinhaltet sorgfältigen Trainingsaufbau, Leistungskontrolle in Training und Wettkampf und Gespräche mit Trainer und Arzt.

Informationen für ärzte und Wissenschaftler:
A. Angeli, M. Minetto, A. Dovio, and P. Paccotti (2004). The overtraining syndrome in athletes: A stress-related disorder. J. Endocrinol. Invest. 27:603-612.
A. Urhausen und W. Kindermann (2002). Übertraining. Deutsche Zeitschr. Sportmedizin 4:121-122

Hintergrund des Übertrainings

Schon 1936 entdeckte Hans Seyle das Paradoxon, dass Stress den Körper nicht nur schützen, sondern auch schädigen kann. Seit damals werden übermässiges Training und dadurch ausgelöste negative Stressreaktionen eingehend erforscht. Man weiss heute, dass die Stressreaktionen sowohl nervös wie auch hormonell bedingt sind (die so genannte Achse Hypothalamus - Hypophyse - Nebennierenrinde). Sport hat einen positiven Einfluss auf die Gesundheit, solange ein bestimmtes, individuelles Mass nicht überschritten wird. Sport erzeugt eine gute Stimmung, verbesserte Immunabwehr, Schutz gegen übergewicht, Diabetes, Krebs, Herzkreislaufkrankheiten und Osteoporose, um nur einige Wirkungen zu nennen. Sport ist die Grundlage für ein gesundes und langes Leben ohne Leiden und Krankheit.

Diagnose des Übertrainings

Trotz der jahrelangen Forschung ist es bis heute nicht möglich, die Gefahr des Übertrainings rechtzeitig zu erkennen und den Sportler zu warnen. Nicht einmal die Diagnose ist einfach. Man muss das Übertraining mit Hilfe einer Kriterienliste diagnostizieren. Dazu werden auch die Trainingsprotokolle sowie Beobachtungen des Trainers für das Gespräch mit dem Arzt benötigt. Tabelle 1 zeigt die wichtigsten Symptome des Übertrainings.j

Tabelle 1. Die wichtigsten Zeichen und Symptome des Übertrainings

änderungen von physiologischen Funktionen und Leistung

  • Schlechtere Leistungen
  • Abnahme der Muskelkraft
  • Muskelschmerzen und -empfindlichkeit
  • Abnahme der Belastungstoleranz
  • Längere Erholungszeit
  • Chronische Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Abnormale Schlaf-Wachzyklen
  • Störungen des Verdauungssystems
  • änderungen der Sexualfunktion (Unregelmässigkeiten, Fehlen der Monatsblutungen)
  • änderungen von Blutdruck und Puls

Psychologische Symptome

  • Depression
  • Allgemeine Apathie
  • Emotionale Instabilität
  • Angst vor Niederlage
  • Appetitmangel
  • Nervosität und Ruhelosigkeit
  • Phlegmatisches Verhalten und Antriebslosigkeit

Immunologische Symptome

  • Erhöhte Anfälligkeit für und Schweregrad von bakteriellen Infektionen
  • Reaktivierung von Herpesvirusinfektionen
  • Abnahme der Neutrophilenfunktion
  • Abnahme der Lymphozytenzahl
  • Abnahme der Immunglobulinproduktion und -sekretion

Biochemische Veränderungen

  • Abnahme der Hämoglobinwerte sowie Serumeisen und Ferritin
  • Negative Stickstoffbilanz
  • Zunahme der Harnstoffwerte
  • Zunahme der Harnsäurewerte
  • Abnahme der Glutaminwerte
  • Spurenelementmangel (Zn, Co, Al, Mn, Se, Cu etc.)
  • Fehlender oder schwacher Anstieg der Stresshormone nach Leistung
  • Niedriges freies Testosteron
  • Abnahme des Verhältnisses freies Testosteron zu Cortisol unter 0.3

Als wichtiges Merkmal wird der fehlende oder geringe Anstieg von Stresshormonen während und nach einer Leistung betrachtet. Zu den Stresshormonen zählen Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin. Insbesondere das freie, im Speichel gemessene Cortisol reagiert bei übertrainierten während und nach einer Leistung nicht mit einem Anstieg. Für sich allein genügt dieses Merkmal nicht für eine Diagnose.

Ursachen des Übertrainings

Abbildung Übertraining Übertraining ist die Folge von dauernden, wiederholten zu hohen Trainingsbelastungen (zu hohe Trainingsintensität und /oder -volumen) und unzureichender Erholung. Die Kurve B in Abbildung 1 zeigt schematisch die Abnahme der Leistungsfähigkeit über einen bestimmten Zeitraum wegen zu kurzen Erholungszeiten.

Richtig dosiertes Training und ausreichende Erholung führen mit der Zeit zu einer verbesserten Leistungsfähigkeit (Kurve A).

Die neusten Forschungsergebnisse zeigen, dass Übertraining eine Entzündungsreaktion des ganzen Körpers ist. Typischerweise nehmen bei Entzündungen gebildete hormonartige Botenstoffe, so genannte Cytokine, bei übertrainierten stark zu. Für fachlich Interessierte steht in der Vorlesung "Sport und Immunologie" mehr Information zur Verfügung.

Während mässig betriebener Sport entzündungshemmend wirkt (Petersen and Pedersen, 2004), ist Übertraining die Folge oder das Symptom einer generellen Entzündung. Man stellt sich vor, dass kleinste Verletzungen in den Muskeln und im Bindegewebe (Mikrotraumen und Gewebeschäden) diese systemische Entzündungsreaktion auslösen.

Vorbeugung des Übertrainings

Die Vorbeugung beinhaltet sorgfältigen Trainingsaufbau, Leistungskontrolle in Training und Wettkampf und Gespräche mit Trainer und Arzt.

Therapie des Übertrainings

Die Therapie des Übertrainings besteht in totaler Ruhe, evtl. stark reduziertem Training, ggf. in einer nicht verwandten Sportart. Die Erholungszeit kann Wochen bis Monate dauern.

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