Warum muss ich beim Schwimmen so oft auf die Toilette?© Felix Gmünder |
Die kurze Antwort
Eine erhöhte Nierentätigkeit kann durch den Kältereiz im Wasser ausgelöst werden, aber viel bedeutsamer im Falle des Wassersportlers ist der durch die horizontale Körperlage und/oder, wenn mehrheitlich senkrecht, den durch den Wasserdruck erhöhte Rückfluss von Blut und Lymphe aus den Beinen ins Herz.Der Kältereiz führt zu einer Aktivierung des Parasympathikus
Der Parasymathikus (vegetatives Nervensystem) wiederum hemmt die Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (ADH) durch die Hypophyse. Die wichtigste Aufgabe des ADH ist die Regulation des Wasserhaushalts. Bei Wassermangel wird es ausgeschüttet und bremst die Ausscheidung von Urin. Ein Kältereiz bewirkt eine Reduktion des ADH im Blut, was eine erhöhte Urinproduktion zur Folge hat.Horizontale Lage oder erhöhter Druck auf die Beine
Beim Schwimmen in horizontaler Lage fliesst mehr Blut und Lymphe als normal von den Beinen zum Herzen. Beim Wasser-Aerobic ist der im Vergleich zu Brust und Armen höhere Wasserdruck auf die Beine dominierend. Dieser bewirkt ebenfalls einen erhöhten Rückfluss von Blut und Lymphe zum Herzen. Beide Effekte sind von Astronauten bekannt, wenn diese die Schwerelosigkeit erreichen.In den beiden Herzvorhöfen (Atrien) befinden sich Dehnungsrezeptoren, die den erhöhten Rückfluss als erhöhtes Blutvolumen interpretieren. Über die Parasympathikus-Hypophysen-ADH-Achse wird daraufhin die Urinproduktion angekurbelt. Zweitens steigern die atrialen Muskelzellen bei erhöhter Anspannung direkt durch die Ausscheidung des die Nierenfunktion anregenden Atrialen Natriuretischen Peptids (ANP) die Urinproduktion der Niere. Der Fachausdruck für diesen physiologischen Mechanismus heisst Vorhof-Dehnungs-Reflex oder Gauer-Henry-Reflex.
